Review: Traxxas 1:16 Slash

Es ist 30 Jahre her seit ich ein ferngesteuertes Auto hatte (damals einen Robbe VW Golf GTI 16v), aber jetzt wo die Kinder alt genug dafür sind, wollte ich wieder eins haben. Bei meinen Untersuchungen zu dem Thema wurde mir schnell deutlich, dass ich ein Auto in Hobbyqualität (mit guter Ersatzteilversorgung) wollte, kein Spielzeugauto. Ich habe mich für den Traxxas 1:16 Slash entschieden, da mir das Aussehen gefällt, er Allradantrieb hat, und er durch das kleine Format leicht mitzunehmen ist. De größere 1:10 Slash gehört zu den beliebtesten ferngesteuerten Autos und ist in verschiedenen Versionen erhältlich, mit Zweirad- und Allradantrieb und Motor mit oder ohne Bürsten.

Was ist in der Schachtel?

Wie die meisten Traxxas Autos wird auch der 1:16 Slash einsatzbereit geliefert, also komplett zusammengebaut und mit Fernsteuerung. Auch enthalten sind ein 1200mAh 7,2V NiMH Akku und ein NiMH Ladegerät mit 12V Anschluss für den Zigarettenanzünder im Auto – ärgerlich aber verständlich, da man dann weltweit keine unterschiedlichen Versionen mit unterschiedlichen Steckern und Spannungen braucht. Traxxas verkauft ein Netzteil, das allerdings mit €30 etwa soviel kostet wie ein Einstiegsmodell LiPo/NiMH Ladegerät, was meine Wahl wäre. Man braucht noch vier AA Batterien für die Fernsteuerung. Auch inbegriffen ist ein einfacher Werkzeugsatz mit drei Inbusschlüsseln und einem Sechskantschlüssel für die Räder. Zum Glück für uns Europäer sind übrigens alle verwendeten Schrauben metrisch, man kann also einfach sein eigenes Werkzeug verwenden.

Motor & Antriebsstrang

Der 1:16 Slash hat einen Elektromotor mit 12 Wicklungen und Kohlebürsten im 550er Format. Im 1/10 Slash wird der gleiche Motor verwendet, der also ordentlich Leistung hat für ein Auto, das weniger als die Hälfte wiegt. Der Geschwindigkeitsregler kann mit 7,2V NiMH und 2S LiPo Akkus verwendet werden, und hat für letztere einen Unterspannungsschutz. Er kann in drei Modi geschaltet werden – volle Leistung, volle Leistung ohne Rückwärtsgang (für Rennbetrieb) und halbe Leistung. Letzteres ist sinnvoll um sich mit dem Auto vertraut zu machen, für Kinder, und könnte im Gelände sogar ausreichend sein. Im Serienzustand scheint die Höchstgeschwindigkeit bei 35-40 km/h zu liegen.

Beide Achsen sind angetrieben, die Differentiale sind nicht gesperrt. Man kann aber etwas Sperrgrad erzielen mit Differentialölen unterschiedlicher Viskosität die Traxxas verkauft. Der Fahrtregler und der Empfänger sind wasserdicht, was ich bereits mehrfach aus Versehen getestet habe.

Fahrwerk

Der 1:16 Slash hat Pushrod-Anlenkung der Dämpfer/Federelemente. Das wird bei Rennwagen gemacht um die ungefederten Massen zu reduzieren, hier wohl eher aus Platzgründen. Es sind Öldruckstoßdämpfer. Das Fahrwerk ist recht weich und leicht zusammenzudrücken, wodurch die Bodenfreiheit begrenzt wird. Man kann die Federvorspannung erhöhen, allerdings in recht engem Rahmen wenn man den vollen Federweg behalten will. Gelenkt wird über einen Microservo mit Plastikzahnrädern.

Fernsteuerung

Der inbegriffende TQ Sender ist das einfachste Modell von Traxxas. Außer Gas und Lenkrad gibt es nur noch einen Knopf fürs Koppeln ans Auto und einen Drehknopf für das Trimmen der Lenkung. Vorteil ist das niedrige Gewicht. Der Lenkausschlag ist recht klein, feinfühliges Lenken ist also nicht ganz einfach. Etwas Expo würde helfen um die Lenkung bei höheren Geschwindigkeiten nicht so empfindlich zu machen, gibts aber natürlich nicht.

Akkus und Lader

Wie oben geschrieben wird ein NiMH Akku mitgeliefert. Ich würde keine weiteren NiMH Akkus kaufen – von Traxxas kosten sie €20 pro Stück, während es fertige 2S 2200mAH LiPos mit dem richtigen Stecker und fast der doppelten Kapazität für €30 gibt (wenn man selber Stecker anlötet noch günstiger). Selbst ein Traxxas LiPo ist mit €45 auf die Kapazität umgerechnet nicht viel teurer. 2200mAh ist übrigens das Größte, was ins Akkufach passt. Wenn man sich für LiPos entscheidet, muss man halt ein Ladegerät kaufen, aber das geht preislich bei €30 los (soviel wie das Traxxas Netzteil). Ich habe €45 für den Pulsetech Mega 65 gezahlt, ein Gerät mit LCD das praktisch alle Akkusorten laden kann und unter anderem Namen auch durch SkyRC und Hitec verkauft wird. Man braucht ein Adapterkabel von XT60 auf Traxxas um damit die Akkus laden zu können.

Das Chassis hat zwei Akkufächer, man kann zwei NiMH Akkus parallel benützen für mehr Fahrzeit. Der Schließmechanismus der Deckel ist etwas unpraktisch da schwierig zu öffnen wenn Sand oder Dreck reinkommen, also immer.

Wenn man es ruhig angehen lässt, kommt man mit einem 2200mAh Lipo auf etwa 45 Minuten Fahrzeit, mit viel Vollgas sind 25 Minuten machbar.

Wie fährt er sich?

Der Motor hat ordentlich Drehmoment für so ein leichtes Auto, man kann also sehr leicht driften oder Donuts machen. Durch den kurzen Radstand ist der Geradeauslauf nicht so beeindruckend, und Unebenheiten bringen das Auto schnell vom Kurs ab. Ich habe ein paar Mal gelesen, dass das Auto in Kurven durch die schmale Spurweite leichte umrollt. Das stimmt wenn man schnell fährt und das Auto an irgendwas hängen bleibt (was in Gras schnell passiert), aber mit etwas Vorsicht am Gasfinger und reduzierter Geschwindigkeit in Kurven lässt sich das bewältigen.

Mir macht das Auto auf losem aber glatten Untergrund, wie feinem Schotter und komprimierten Sand, am meisten Spaß. Sand ist durch das niedrige Gewicht kein Problem. Auf losem Untergrund kann man einfach driften, was mehr Spaß macht als auf Asphalt zu fahren. Kurzes Gras ist auch kein Problem. Auf sehr glattem Untergrund ist der Grip sehr eingeschränkt. Größere Erhebungen und Kanten sind durch die niedrige Bodenfreiheit schwierig, eine abgesenkte Bordsteinkante hochfahren ist schwer machbar.

Obwohl der kleine Slash langsam fahren kann, ist er kein Crawler. Durch die niedrige Bodenfreiheit und die offenen Differentiale ist er nicht für raues Gelände geeignet. Das Auto ist aber stabil gebaut und kann einiges haben, in zwei Wochen hartem Einsatz mit viel Sand hatte ich nur minimale Schäden: ein verschlissenes Kugellager und Farbe die über den Hinterräder weggesandstrahlt war.

Upgrades

Man kann eine Menge Upgrades kaufen, sowohl von Traxxas als auch von anderen Herstellern. Von Traxxas gibt es ein (recht teures) Set mit bürstenlosem Motor und dazugehörigen Fahrregler. Das würde ich sein lassen, da der Geradeauslauf zu schlecht ist um die höhere Geschwindigkeit zu nützen. Den meisten Spaß hat man doch auf losem Untergrund, wo manchen selbst der Trainingsmodus reichen könnte. Es gibt auch diverse Teile aus Aluminium, die sind aber nicht günstig. Man kann auch günstigere Upgrades kaufen, z.B. Stahlkugeln als Ersatz der Plastikkugeln die an mehreren Stellen des Fahrwerks zum Einsatz kommen.

Ein Servo mit Metallzahnrädern ist wahrscheinlich sinnvoll wenn die Plastikzahnräder im originalen Servo kaputt sind. Ich will vielleicht auch noch die härteren Federn ausprobieren, die es von Traxxas für kleines Geld gibt, in der Hoffnung auf etwas mehr Bodenfreiheit und weniger Rollneigung.

Das Urteil

Wenn du auf der Suche bist nach einem kompakten ferngesteuerten Auto von Hobbyqualität, das trotzdem alles hat und auch noch annähernd realistisch aussieht, dann kann ich den kleinen Slash sehr empfehlen. Er ist hart im Nehmen, recht schnell, eine gute Fahrzeit mit 2200 mAh Lipo Akkus, und passt in einen kleineren Rucksack. Jedes Teil ist als Einzelteil erhältlich, wenn mal was kaputt geht, ist die Reparatur also nicht allzu teuer. Das Auto kostet etwa €230, aber wenn es dein ersten RC Auto sein sollte, dann würde ich von €350 ausgehen einschließlich zwei 2S Lipos und einem Ladegerät mit Traxxas Kabel.

Eine Alternative wäre der Traxxas 1:16 E-Revo, der größere Räder und eine größere Spurweite hat und damit besser geeignet ist für Bashing. Ihn gibt es auch in einer Version mit bürstenlosem Motor. Es gibt auch den 1:16 Summit im Monstertruck Stil, der etwas teurer ist. Wenn man mehr Bodenfreiheit oder einfach ein größeres Auto will, gibt es natürlich diverse Varianten des 1:10 Slash – mit Hinterrad- und Allradantrieb, und Elektromotor mit oder ohne Kohlebürsten. Preislich liegen die zwischen €260 für die 2WD Version und €650 für den Slash Ultimate mit allen Upgrades. Das günstigste 4WD Modell kostet €390.

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